Monatliches Archiv: November 2017

„Rom-Chorprojekt“ – Rückblickend ein großartiges Projekt

Das „Rom-Chorprojekt“ ist abgeschlossen. Mit einem großen Konzert in der römischen Kirche Sant‘Ignazio di Loyola fand
eines der großartigsten Projekte vom Chorverband Rheinland-Pfalz seinen Abschluss. Am Gesamterfolg des Projektchores
hatten die beiden Chorleiter im Chorverband, Michael Rinscheid und Mario Siry ihren großen Anteil. Auch Angela
Siry und Jessica Towse-Burggraf ist für ihr Engagement bei den ersten Einführungsproben des Chores zu danken – aber
der Reihe nach.

Das „Rom-Chorprojekt“ basierte auf er Idee des Komponisten Sven M. Hellinghausen, Papst Franziskus eine eigene Messe zu seinem 80. Geburtstag zu widmen. Die fertige Komposition in Rom zur Uraufführung zu bringen, war Hellinghausens Ziel. Nachdem er vom Vatikan grünes Licht zur Aufführung der Franziskus-Messe erhalten hatte, wandte er sich an die beiden großen Laienmusikverbände in Rheinland-Pfalz, den Chorverband und den Landesmusikverband Rheinland-Pfalz, mit der Bitte um Hilfe bei der Realisierung in einem gemeinsamen Projekt. Die Präsidien beider Verbände arbeiteten beim Projekt „Franziskusmesse“ Hand in Hand.

Im Februar und März 2017 führte der Chorverband Auditions durch, deren Ziel es war, einen rund 100-köpfigen Chor um die 50 Sängerinnen und Sänger vom SonntagsChor Rheinland-Pfalz zusammenzustellen. Der Sonntags-Chor sollte den Kernchor bilden, der um weitere 50 Projektsängerinnen und -sänger ergänzt werden würde.

Erster Probentag in Oberwesel

Im April waren es dann 110 Sängerinnen und Sänger, die am gemeinsamen Chortag in Oberwesel die ersten Töne der Franziskusmesse ergänzt um weitere anspruchsvolle Chorstücke einstudierten. Angela Siry, Jessica Towse-Burggraf, Michael Rinscheid und Mario Siry  führten die Sängerinnen und Sänger in Registerproben durch den ersten Probentag, an dessen Ende bereits ein durchaus hörenswertes  Gesamtergebnis stand. An drei folgenden Probentagen und einem Probenwochenende wurden teilweise gemeinsam mit den Musikern des 65-köpfigen Auswahlorchesters des Landesmusikverbandes, das Repertoire für das Konzert in Vallendar und die Chorreise einstudiert.

Generalprobe und Uraufführung im November 2017

„Ich bin hochzufrieden mit dem Chor“, freute sich Hellinghausen nach der ersten gemeinsamen Generalprobe I. „Die Chorleiter haben wirklich hervorragende Arbeit geleistet“ Der erste gemeinsame Höhepunkt im Projekt war die konzertante Uraufführung der  „Franziskusmesse“, umrahmt von weiteren Chor- und Orchesterwerken, am 5. November 2017 in Vallendar. „Dies ist zugleich die Generalprobe II, bevor wir nach Rom fahren“, erläuterte Karl Wolff.

Eine Messe für Papst Franziskus

Bereits am darauffolgenden Mittwoch hatten Sven Hellinghausen und die Delegation der Verbände ein persönliches Highlight. Im Rahmen der Generalaudienz konnte Papst Franziskus persönlich eine gebundene Ausgabe seiner Franziskusmesse überreicht werden. Chorverbandspräsident  Karl Wolff hatte die Ehre, dem Pontifex Maximus die Hand zu geben. Papst Franziskus wechselte ein paar Worte in Deutsch mit der Delegetaion und bat abschließend: „Betet für mich!“

„Im Herzen des Petersdoms“

„Im Herzen des Petersdoms“, wie der Zelebrant, der Freiburger Theologe und Kirchenhistoriker Hans-Peter Fischer, Rektor des Priesterkollegs Campo Santo Teutonico im Vatikan, bei seiner Begrüßung ausführte, wurde die Franziskuksmesse im Rahmen einer  Heiligen Messe aufgeführt. Wie auch bei der Uraufführung am Wochenende zuvor in Vallendar wurden die Zuhörer von der Messe bewegt.  Nicht nur in der überwältigenden Kulisse des Petersdoms, sondern auch am nächsten Tag beim Chor- und Orchesterkonzert in einer der beeindruckendsten Kirchen Roms, Sant‘Ignazio di Loyola in Campo Marzio. Das riesige Schiff der römischen Barockkirche war bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt. Mit dem verklingenden letzten Ton der Zugabe – dem Kyrie aus der Franziskusmesse – wurde das Projekt  beendet. Was folgte, waren herzliche Verabschiedungen und die Heimreise der Akteure am nächsten Tag.

Mediale Beachtung – Resümee

Rückblickend bleibt ein Projekt, das in Rheinland-Pfalz umfassende mediale Beachtung fand. Denn auch viele Teilnehmer hatten in ihren  Redaktionen „mobil gemacht“. So erschienen in den Lokalausgaben der Zeitungen Berichte von Proben und Nachberichterstattungen, die  durch Chor- und Orchestermitglieder initiiert wurden. Und auch die Pressekontakte der beiden Verbände leisteten wertvolle Dienste. Alle  Organistaoren waren sich gegen Ende des Projektes einig: „Wenn jeder das Seine zum Gelingen beiträgt, kann etwas Großartiges für alle  entstehen.“ Nach dieser Maxime arbeiteten auch die beiden Projektverantwortlichen in ihren Verbänden: Tobias Hellmann vom Chorverband und Hermann Josef Esser vom Landesmusikverband Rheinland-Pfalz. Beide hatten in der Projektzeit viel Arbeit auf sich genommen, um den Teilnehmern ein gelungenes Gesamtpaket zu bieten. Und wer weiß, vielleicht hat in naher Zukunft die Franziskusmesse von Rheinland-Pfalz aus die Welt erobert und so mancher kann von sich sagen: „Ich habe die Uraufführung dieses Werkes mitgesungen.“
Fotos: Volker Bewersdorff
Text: Dieter Meyer/Tobias Hellmann

Beitragsbild: Karl Wolff bei der Audienz beim Papst; (c) Servizio Fotografico L’Osservatore Romano (für Chorverband Rheinland-Pfalz)

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So geht Chor! Meisterchorsingen 2017

Das Leistungssingen der Stufe III bot am 21. Oktober in der Kulturhalle Ochtendung einmal mehr einen exzellenten Querschnitt durch das weite Feld der Chormusik. Um es gleich vorweg zu nehmen: Dreizehn Chöre haben das Ziel, nämlich den Titel „Meisterchor des Chorverbandes Rheinland-Pfalz“ erreicht. Der Männergesangverein Ahrweiler erhielt beim Volksliederleistungssingen die „Rudolf-Desch-Medaille“ in Silber.

Mindestens zweimal „Gut“ und zweimal „Sehr gut“ sind erforderlich, um das Prädikat „Meisterchor im Chorverband Rheinland-Pfalz“ zu erlangen und fünf Jahre führen zu dürfen. Dreizehn teilnehmende Chöre haben diese Voraussetzung bravourös gemeistert und wurden von der hochkarätig besetzten Jury — Verbands-Chorleiter Michael Rinscheid, Universitäts-Musikdirektor Jan Schumacher und Jakub Zicha aus Tschechien — ausgezeichnet.

Die Anforderungen an das Meisterchorsingen sind spürbar gestiegen.“ äußerte sich eine Chorleiterin. „Die Chorliteratur entspricht mittlerweile dem Anspruch des Landes-Chorwettbewerbs.“ stellte sie weiter fest. Diese Feststellung wurde von Verbands-Chorleiter und Jurymitglied Michael Rinscheid bereits an anderer Stelle bestätigt: „Das Prädikat ‚Meisterchor im Chorverband Rheinland-Pfalz‘ ist eine hohe Auszeichnung. Diesem Anspruch muss auch die Auswahl der Chorliteratur gerecht werden. Und wie wir feststellen können, sind die Chöre, die sich um das Prädikat bewerben, durchaus in der Lage, diese Anforderungen voll und ganz zu erfüllen.“

Wie absolut begeisternd auch das Genre Volksmusik sein kann, zeigten die „Voices“ aus Rödersheim mit „Als wir jüngst in Regensburg waren“. In einem neuen Arrangement, mit kecken Zwischenrufen des „Fährmanns“ garniert, bewiesen die „Voices“, dass Volkslied durchaus witzig und alles andere als „angestaubt“ ist.

Mitreißend und begeisternd — so war der Gesamteindruck des Chores aus dem Kreis-Chorverband Vorderpfalz, der für seine Präsentation dann auch spontan stehende Ovationen eines hingerissenen Auditoriums erhielt, nachdem der letzte Ton des „Battle of Jericho“ (Moses Hogan) verklungen war. Chorleiter Johannes Kalpers hatte mit seiner Mannschaft erstklassig gearbeitet und gezeigt, wie sich begeisternde Chormusik heute zu präsentieren hat. Dafür erhielt der Chor viermal „sehr gut“ und Kalpers den „Sonderpreis der Präsidenten“.

Der Punktevorsprung war dann auch nur marginal (Durchschnitt 23,5) zum wertungsbesten Chor (23,585), den Frauen von „Cantara“ aus Albig. Der Frauenchor wird seit nunmehr drei Jahren von Chordirektor Ulrich Dörr geleitet. Eigentlich haben sich die rheinhessischen „Cantaras“ eher der modernen Chorliteratur verschrieben, so dass die vorgegebenen Pflichtchorwerke doch schon eine kleine Herausforderung darstellten. Aber auch „Die Capelle“ von Schumann oder Smetanas „Die Schwalben“ meisterten die Frauen aus dem Kreis-Chorverband Alzey auf hohem Niveau. Ulrich Dörr durfte dafür auch den „Sonderpreis der Jury für die beste Interpretation eines Wahlpflichtchorwerkes“ entgegennehmen.

Erst 2010 wurde aus dem vielfach prämiierten MGV „Thalia“ Ebernhahn ein gemischter Chor. Unter der Leitung von Jürgen Faßbender erreichten die Westerwälder ebenfalls viermal „sehr gut“. Jürgen Faßbender erhielt aus der Hand von Michael Rinscheid den „Sonderpreis der Jury für eine ausgezeichnete Interpretation romantischer Werke“.

Leistungssingen in Zukunft mit Chorfestival-Charakter

Wie bereits vielfach ausgeführt, hat die Durchführung der Leistungssingen eine Änderung erfahren. Ab 2018 wird das Meisterchorsingen Teil eines zweitägigen Festivals sein. Am 16. und 17. Juni werden alle Stufen der Leistungssingen in einer Veranstaltung ausgetragen. „Uns ist es wichtig, den Leistungssingen einen anderen Stellenwert, ja — sogar einen Eventcharakter zu geben“, so Verbandschorleiter Michael Rinscheid. „Entgegen der bisherigen Praxis werden die Chöre nicht nach Leistungsstufen getrennt auftreten. Die Auftritte der Chöre erfolgen bunt gemischt. Es kann also sein, dass dem Anwärter der Leistungsstufe 1 direkt ein Meisterchor-Bewerber folgt“, erläutert Rinscheid. „So können die Chöre viel voneinander lernen und über alle Leistungsstufen hinweg wertschätzend miteinander ins Gespräch kommen.“

 

Folgende Chöre nahmen an den Leistungssingen teil:

Volksliederleistungssingen

Männer-Gesangverein Ahrweiler (silberne Rudolf-Desch-Medaille)

 

Meisterchorsingen

Frauenkammerchor „SoprAlto“ Andernach
Frauenchor Eppenrod
MGV „Frohsinn“ 1919 Hübingen e.V.
Frauenchor Melodia Asbach
Frauenchor Breitscheidt 1972
Männerensemble St. Martin Mosel
Frauenchor NOVITAS Saulheim
Gemischter Chor Thalia Ebernhahn e.V.
Frauenchor des GV Cäcilia Ruppach-Goldhausen
Arion 1900 Nomborn e.V.
CANTARA e.V. Albig
MGV Eintracht 1905 Nentershausen e.V.
Voices Rödersheim

 

Der Chorverband Rheinland-Pfalz bedankt sich ganz herzlich beim ausrichtenden Verein „ARS MUSICA Ochtendung“ für die hervorragende Arbeit und die tatkräftige und tolle Unterstützung!

 

Text: Dieter Meyer
Bilder: Volker Bewersdorff

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