Probenmethodik


Die populäre Chormusik ist in der Regel eine körperbetonte Musik, ganz im Gegensatz zu der klassischen Oratorien- oder a-cappella-Literatur. Daher wird der Chorleiter in der Probenmethodik auf diese Tatsache Rücksicht nehmen und die Sänger zu Körperbewegungen animieren (mitschnippsen, mitklatschen, Auf-der-Stelle-Gehen, synchrone Bewegung des Kopfes und/oder des Oberkörpers usw.), die nicht nur tempostabilisierend wirken, sondern gerade das rhythmische Element der Pop-, Jazz- und Gospelmusik besser zum Klingen (Schwingen) bringen. Hier ist nicht von Choreographie die Re-de, sondern von "natürlichen" Körperbewegungen, die sich von selbst, gleichsam tänzerisch aus der Musik heraus ergeben.
Swing-Phrasierung und Chorklang sind nur zwei der wesentlichen Aspekte, die der Chorleiter begrenzt ausschließlich verbal vermitteln kann. Die Call-and-Response-Methode, das Vorsingen sowie das Hören von Einspielungen, wird damit zu einem unverzichtbaren Hilfsmittel der Literaturvermittlung.
Das Engagement von Gastdirigenten sollte ebenfalls in Erwägung gezogen werden. Sie bereichern die künstlerische Erfahrung des Chores und des Chorleiters gleichermaßen.

Neben dem rhythmischen Element eröffnet die Intonation der vier- und mehrstimmigen Akkorde sowie deren Fortschreitungen (Substitutionsakkorde und Chromatik) eine zweite, neue Welt: Die Harmonik. Regelmäßige, praktische Gehörbildungsübungen begünstigen entscheidend die Klangvorstellung der Chorsänger und ergänzen ganz nebenbei musiktheoretisches Wissen. Die entsprechenden Probenphasen zielen auf Hörerfahrung, auf die Entwicklung von Ton- und Klangvorstellung, von Bildern und Farben zu bestimmten Klängen. Die Chorsänger können die ungewohnten, die bis dahin "un-erhörten" Harmonien erleben, ihnen nachspüren und sie hörend und singend genießen.
Die im Gospel- und close harmony-Stil akkordische Satzweise in Parallelbewegung (Blockakkorde) nimmt oft nur zweitrangig auf die sangliche Führung der Einzelstimme Rücksicht. Hier gilt das Primat der Parallelbewegung. Der Chorleiter befähigt mit der regelmäßigen Wiederholung von Intonationsübungen, unabhängig von der konkret zu erarbeitenden Literatur, die Singenden zu neuem Hören und damit zu neuen Chorklängen. Diese Übungen können durchaus Einsingcharakter haben (Warm Ups) und spielerischer Art sein.
Das Abspielen eines CD-Titels innerhalb der Chorprobe kann das spezielle Körpergefühl (Feeling), die Klangvorstellung, die interpretatorische Idee einer sonst noch fremden Stilistik verdeutlichen.

Vorbereitung der Proben

Die grundsätzliche Probenvorbereitung ist nur zum kleinen Teil von einer speziellen Chorstilistik abhängig. Daher sei hier einigen allgemeinen Bemerkungen Platz eingeräumt.
Jeder Chorprobe geht das intensive Studium der Partitur voraus, wie