65+„65plus"
Ideen zur Förderung eines neuen Lebensgefühls!
Erarbeitet von Michael Rinscheid, Helmut Velten und Reinhold Reinhardt
I. Gesellschaftlich - demographische Entwicklung
Wir Deutschen werden älter; aber auch gesünder und leistungsstärker,
(jeder zweite Mann wird mindestens 79 Jahre und jede zweite Frau mindestens 85 Jahre alt), insofern rückt der gesundheitliche Ansatz immer mehr in den Vordergrund: Herz - Kreislauf, Atemwege, Haltungsschäden, fehlende Körperspannung, Streß, Burn Out und Depressionen sind Volkskrankheiten, für die wir einen tollen Lösungsansatz bieten:
Aktives Singen im Chor!
Der Freizeitbereich gewinnt immer mehr an Bedeutung und damit Bildungsangebote auf allen Ebenen (denn: Bildung ist auch ein politisches Schwerpunktthema, ja: das Schwerpunktthema der Zukunft!). Speziell auch für die älteren Generationen gibt es kaum ein besseres Bildungsangebot als Singen im Chor. Lernen mit gesundheitlichen Aspekten und viel Spaß zu verbinden, das ist doch die Stärke unserer Chöre.
Das „familiäre Netz" wandelt sich in der heutigen Zeit. Immer häufiger treffen wir auf Schlagworte wie Vereinsamung oder Partnerverlust. Hier bietet der Chor eine „soziale Anlaufstation": Freude, Unterhaltung, Kommunikation, Information und Konversation und Bestätigung der eigenen Motivation / Leistungskraft durch Singen in der Gemeinschaft, durch Singen im Chor.
Das alles spricht für unser Hobby, nutzen wir unsere Chancen und bieten einer Vielzahl von Menschen die gleichen Möglichkeiten.
II. Werbeslogans für eine verbesserte Öffentlichkeitsarbeit
- Singen verbindet Singen vermittelt Spaß
- Singen erzeugt Freude Singen bringt Erfolgserlebnisse
- Singen erhöht die Lebensqualität Singen ermöglicht Verständnis
- Singen erweitert das soziale Umfeld Singen prägt kulturelle Mitgestaltung
- und Singen ist gesundheitsfördernd
III. Praktische Durchführbarkeit
- Der CV-RLP initiiert und gestaltet gemeinsam mit der Landesregierung Bildungsangebote zu diesem Thema.
- Die Aktion findet Einzug in die Lehrpläne von Volkshochschulen und staatlichen Musikschulen.
- Der CV-RLP bietet Seminare für Regionen und Kreis-Chorverbände an. Diese werden von Mitgliedern des Musikausschusses oder anderen geeigneten Persönlichkeiten geleitet.
- Das Seminarangebot sollte Fortbildungsmaßnahmen und Hospitationen beinhalten, hierbei sollte bei der Auswahl der Dozenten der menschliche Zugang zur Zielgruppe priorisiert werden.
- Die Angebote an der Basis sollten nicht nur vordergründig aktive Mitglieder der Vereine ansprechen, sondern auch im Sinne einer möglichen Werbung von neuen Sängern weitere Kreise ansprechen.
- Es sollten Lernmodule angeboten werden für :
Stimm- und Gehörbildung
Entscheidend ist der schonende Umgang mit der menschlichen Stimme. Stimmtechnik und Stimmtraining speziell für die älter werdende Stimme auch für Nichtchorsänger/innen sollten einen größeren Anteil innerhalb unserer Probenarbeit finden. („Singen tut mir einfach gut!")
Hierbei sollten auch die Themen Sprechorgan, Sprachfertigkeit, Körpergefühl, Körperspannung, Atem, Klang, Klangschönheit und Tongestaltung intensiv betrachtet werden.
Medizinische Grundkenntnisse
Mit den Inhalten Gesangs- und Sportpädagogisches Wissen, Körper, Kraft, Beweglichkeit, Elastizität und Kondition, sowie Grundkenntnisse der Anatomie speziell Kopf, Atmung, Artikulation, Wirbelsäule, Bauchmuskulatur und Zwerchfell.
IV. „Externe" Ansprechpartner
Die Zusammenarbeit mit karitativen Organisationen und Einrichtungen bedarf eines vorsichtigen Auslotens der Gemeinsamkeiten und Ergänzungsmöglichkeiten mit
- Krankenkassen (siehe Aktivitäten mit Sportvereinen)
- Seniorenheime (ggf. musiktherapeutischer Aspekt)
- Caritas, Arbeiterwohlfahrt etc.
- Kirchen
- Ortsgemeinden
Alle Partner können davon profitieren und Recourcen sowie Geldmittel gezielter und zielgruppenorientierter einsetzen.
V. Patenschaften
Vorüberlegung: Immer mehr Chöre lösen sich aufgrund der Altersstruktur auf, bzw. der betreffende Chor „ruht"
Die wenig übriggebliebenen Interessenten gehen als Sängerinnen und Sänger verloren. Der Verlust eines Stücks Dorf - oder Gemeindegeschichte bzw. Identität ist vorprogrammiert
Deshalb empfehlen wir Patenschaften durch:
- Benachbarte Vereine
- Verbandsgemeinden oder Städte
- Kreis-Chorverbände
Und zusätzlich die methodische und praktische Hilfe des Chorverbandes über Geschäftsstelle und Seminarleiter mit finanzieller Starthilfe des CV RLP
VI. Gründung eines „Ü65" - Projektchors
Die Gründung eines Ü65-Projektchors kann ein wesentlicher Bestandteil der Aktion sein. Stichwortartig fügen wir einige unserer Gedanken an, die von Ihnen nun mit Leben erfüllt werden müssen.
- Projektchor mit einem festen Ziel - z. B. Konzert, Konzertreise, etc.
- Probenort gut auswählen, auf Logistik achten, nach Möglichkeit ebenerdig zu erreichende Probenräume, Parkplatzsituation
- Stichwort „Chorleiter": „Ü65" verlangt einen Chorleiter mit voller Überzeugung für das Projekt, er sollte altersgemäß passen, kann auch ein sogenannter „Altgedienter" sein. In jedem Fall sollte er über einen großen Bekanntheitsgrad verfügen und nach Möglichkeit Chöre im Einzugsbereich geleitet haben (das Zauberwort ist Glaubwürdigkeit)
- Organisation über den KCV - Anschreiben der Vereine bzw Chöre, Pressearbeit, Noten, Plakate, Programme
- Stichwort „Literatur": bekannte und beliebte deutsche Volkslieder und Volksweisen, dabei auf Chorzusammensetzung, Höhe und Singbarkeit achten.
- Die Anzahl der Proben muß das Alter der Singenden berücksichtigen, eine längere Einstudierzeit kann durch altbekannte, von vielen Chören früher gesungene „Hits" und „Schlager" ausgeglichen werden.
- Empfehlung: Proben alle 14 Tage an Samstagen, 2 Stunden sind ausreichend; eine Getränkepause ist hier sinnvoll, auf gute Belüftung des Proberaumes achten; Jahreszeiten beachten (nicht unbedingt im Hochsommer proben)
- Soziales Netzwerk nicht vergessen (z. B. gemeinsames Grillfest, Ausflug, aber bitte keine Vereinsmeierei)
- Presse nach Möglichkeit als Pate und ständiger Projektbegleiter
- Bitte beachten Sie: „65plus" ist ein Bildungsangebot des CV an seine Chöre, keine Bedrohung gewachsener Vereine und Chöre, sondern eine sinnvolle musikalische Ergänzung
VII. Auftaktveranstaltung und Infobörse
- In einer zentralen Infoveranstaltung des Chorverbandes RLP soll „65plus" vorgestellt werden.
- Geleitet von Präsidium und Musikausschuss soll mit einem Einführungsreferat, sowie theoretischem und praktischem Teil mit Chor und Dozent, möglichst vielen Interessenten innerhalb und außerhalb des Chorverbandes und insbesondere einer Vielzahl von n Chorleitern in das Thema eingeführt werden.
- Ein besonders wichtiger Punkt wird hierbei die Öffentlichkeitsarbeit sein. Die nicht mit Abschluss der Auftaktveranstaltung endet, sondern die Aktion langfristig begleiten und immer wieder die Inhalte positiv präsentieren muss.
- Danach sollte durch Treffen in den Regionen mit Kreischorleitern und Kreisvorständen ein Netzwerk gesponnen werden. Hinweise für deren Arbeitsaufträge zur praktischen Durchführbarkeit werden hierbei genauso erarbeitet, wie praktische Erfahrungen durch Sänger, Chorleiter und Organisatoren sollten berücksichtigt werden
VIII. Flugblatt
Ein Flugblatt soll auf den Chorverband Rheinland-Pfalz als Partner hinweisen, das über die Regionen und Kreis-Chorverbände an die Basis verteilt werden soll. Darin sollen nachfolgende Themen enthalten sein, die durch den Musikausschuss und weitere Mentoren mit Leben gefüllt werden.
- Methodisch - didaktische Überlegungen auch im Rahmen eines Themenkataloges im Bildungsangebot der Landesregierung, Zusammenarbeit mit politischen Gremien, Aufnahme in die Lehrpläne der VHS, aber auch Gestaltung durch KCV und JMS, Coaching „65plus" auf Kreis - bzw Regionalebene.
- Seminarbereich und Lernmodule: Ausbildungsmodul Stimmbildung, Stimm - und Sprechorgan, Sprachfertigkeit, Körpergefühl, Körperspannung, Atem, Klang und Klangschönheit, Gestaltung der Töne
- Medizinisches Grundwissen; Gesangspädagogisches Wissen; Sportpädagogisches Wissen; Körper; Muskulatur (muskuläres Gleichgewicht); Kraft, Beweglichkeit; Elastizität; Kondition
- Grundwissen Anatomie: (z. B. Kopf, Wirbelsäule, etc.; Bauchmuskulatur, Artikulation, Atmung, Zwerchfell)
- Fortbildung und Hospitation
Coaching auf Kreis - bzw Regionalebene - Seminarleiter der „AG 65plus" aus dem MA im Chorverband RLP:
dadurch ständige Infos über Entwicklung und Verlauf des Projektes
IX. Literaturvorschläge zum Projekt „Ü65"
| Titel | Autor | Bestellnummer |
| Die Atemschule | Margot Scheufele-Osenberg | ISBN 3-7957-8705-X (ED 8705) Schott |
| Funktionale Stimmentwicklung | Cornelius L. Reid | ISBN 3-7957-8723-8 (ED 8723) Schott |
| Die Kunst des Atmens | Leo Kofler | Verlag Bärenreiter Kassel Neuauflage 1992 |
| Der Atem Quell von Entspannung und Vitalität |
Regine Herbig | Verlag Schulz-Kirchne ISBN 3-8248-0478-6 |
| Das große Buch der Chor Warm-Ups |
Alfred Publishing | ALF 20110G ISBN 3-933136-22-9 |
| Praktische Anleitungen zum richtigen Singen Singen- ein Muskeltraining |
Christian Gäbel | Verlag der Musikalienhandlung Karl Dieter Wagner, Hamburg; 1976 |
| Stimmphysiologie und Stimmpsychologie für Sänger | Hans Josef Kasper | Verlag Burr Nonnweiler-Otzenhausen |
| Stimmtraining im Chor | Gerd Guglhör | Helbling-Verlag ISBN 10: 3-85061-309-7 ISBN 13: 978-3-85061-309-5 ISMN M-50022-542-3 |
| Handbuch der chorischen Stimmbildung | Ehmann / Haasemann | Bärenreiter Verlag Kassel ISBN 3-7618-0691-04 |
| Singen (Die physische Natur des Stimmorgans - Anleitung zum Aufschließen der Singstimme) | Frederick Husler / Yvonne Rodd-Marling |
Schott`s Söhne, Mainz ISBN 3-7957-0066-3 |
| Anti-Aging für die Stimme (Ein Handbuch für gesunde und glockenreine Stimmen) |
Prof. Elisabeth Bengtson-Opitz | Timon Verlag ISBN 978-3-938 335-20-8 |
| Anti-Aging für die Stimme II (Ein Handbuch für gesunde und glockenreine Stimmen) |
Prof. Elisabeth Bengtson-Opitz | Timon Verlag ISBN 978-3-938 335-21-5 |
| Praxis der chorischen Stimmbildung |
Kurt Hofbauer | Schott Verla ISBN |
| Liederbuch mit CD - „Singen macht Spaß" Das komplette Material für das Singen mit Seniorengruppen (mit Handbuch für Chorleiter / Liederbücher mit CD) |
Schott Verlag, Mainz ISBN |
